Berlin: Die deutsche Textil- und Modeindustrie hat auf ihrer Jahrestagung in Berlin ein klares Signal für Zuversicht, Wettbewerbskraft und Zukunftsorientierung gesetzt. Vertreterinnen und Vertreter der Branche forderten einen wirtschaftspolitischen Kurs, der wieder Wachstum und Investitionen ermöglicht und den Industriestandort Deutschland stärkt. Die Bundesregierung müsse die angekündigten Reformen jetzt endlich entschlossen umsetzen, um die Deindustrialisierung zu stoppen.
Die Mitgliederversammlung des Gesamtverbandes textil+mode bestätigte Ingeborg Neumann für weitere drei Jahre im Amt der Präsidentin.

„Unsere Branche steht für Innovation, Nachhaltigkeit und industrielle Kompetenz. Doch die Geduld der Unternehmen ist nicht unbegrenzt. Seit Jahren steigen Energiekosten, Bürokratielasten und regulatorische Anforderungen, während die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts weiter unter Druck gerät. Die Bundesregierung hat den Ernst der Lage erkannt und wichtige Reformen angekündigt. Jetzt kommt es darauf an, diese auch konsequent und mit der notwendigen Geschwindigkeit umzusetzen. Deutschland braucht wieder eine Wirtschaftspolitik, die Investitionen erleichtert, statt sie zu erschweren, und die Industrie als Teil der Lösung begreift, nicht als Adressaten immer neuer Belastungen und Regulierungen“, so Präsidentin Neumann.
Die deutsche Textil- und Modeindustrie befindet sich weiterhin in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld. Hohe Energiekosten, schwache Inlandsnachfrage, zunehmende Regulierung und internationale Wettbewerbsverzerrungen lasten auf den Unternehmen. Dies erschwert Investitionen in Innovationen, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft.
Ein Schwerpunkt der Jahrestagung war daher die Frage, wie Deutschland seine industrielle Basis stärken und neues Vertrauen in die Zukunft schaffen kann. Große Zustimmung fand dabei die Botschaft des Gastredners Peter Leibinger, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Leibinger kritisierte, viele politische und gesellschaftliche Debatten seien zu stark auf die Vergangenheit gerichtet. Deutschland brauche stattdessen wieder ein überzeugendes „Zukunftsbild“, das Chancen, Innovationen und unternehmerischen Mut in den Mittelpunkt stelle: „Unser Land hat die industrielle Substanz und die Innovationskraft dafür. Was es jetzt braucht, sind politische Verlässlichkeit und wettbewerbsfähige Standortbedingungen.“

Die Unternehmen der Textil- und Modeindustrie sehen sich als Teil der Lösung, ob in den Bereichen Kreislaufwirtschaft, technische Textilien, Schutzbekleidung, medizinische Anwendungen, Mobilität, Klima- und Umweltschutz oder Luft- und Raumfahrt: Die Branche entwickelt innovative Produkte für zahlreiche Zukunftsmärkte und trägt wesentlich zur industriellen Wertschöpfung in Deutschland bei.
Neben den inhaltlichen Debatten standen wichtige personelle Entscheidungen auf der Tagesordnung. Neu zum Vizepräsidenten und Schatzmeister wählten die Mitglieder Jörg Ortmeier, CEO der TWE Group GmbH. Als weiterer Vizepräsident wurde Dr. Philipp von Waldenfels, CEO der BFW Group und Präsident des Verbandes der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie (VTB), in das Präsidium gewählt. Neu in das Präsidium gewählt wurde außerdem Philipp Ebbinghaus, CEO der Sandler AG.
Mit großem Dank verabschiedete die Mitgliederversammlung den langjährigen Vizepräsidenten und Schatzmeister Dr. Christian Heinrich Sandler, der die Entwicklung des Gesamtverbandes über mehr als zwei Jahrzehnte entscheidend mitgestaltet hat.
„Mit Dr. Christian Heinrich Sandler verabschieden wir eine Persönlichkeit, die unseren Verband über viele Jahre mit außergewöhnlichem Engagement, Integrität und wirtschaftlichem Sachverstand geprägt hat. Als Vizepräsident und Schatzmeister hat er wesentlich zur erfolgreichen Entwicklung unseres Verbandes beigetragen“, würdigte Ingeborg Neumann den aus dem Amt scheidenden Schatzmeister.
Auch Dr. Wilfried Holtgrave, viele Jahre Präsident des Verbandes der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, verabschiedete sich aus dem Ehrenamt. Neumann würdigte insbesondere seinen langjährigen Einsatz für die Interessen der Branche, sein großes Engagement für die Nachwuchsförderung und die Stärkung der beruflichen Bildung.
Ebenfalls aus dem Präsidium verabschiedet wurde Michael Kamm. Mit seiner langjährigen internationalen Managementerfahrung, seiner europäischen Perspektive und seinem Engagement für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Textil- und Modeindustrie habe er wichtige Impulse in die Verbandsarbeit eingebracht, so Neumann.
„Auf diesem starken Fundament kann die nächste Generation aufbauen. Mit den Neubesetzungen ist der Gesamtverband textil+mode weiterhin hervorragend aufgestellt und kann sich mit großer unternehmerischer Kompetenz auch in Zukunft in die politischen Debatten einbringen.“
Die Jahrestagung machte deutlich: Die deutsche Textil- und Modeindustrie will weiterhin Vorreiter bei Innovation, Nachhaltigkeit und industrieller Transformation sein. Voraussetzung dafür sind jedoch wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik und ein neues Vertrauen in die Zukunft des Industriestandorts Deutschland.
Über Gesamtverband textil+mode
Der Gesamtverband textil+mode vertritt die Interessen der deutschen Textil- und Modeindustrie. Die Branche umfasst rund 1 300 Unternehmen mit mehr als 100 000 Beschäftigten und entwickelt innovative Produkte für zahlreiche industrielle Anwendungen und Zukunftsfelder.
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